Attraktionen im Fokus: Wildwasserbahnen

River Rapids - Soquet

Wasserspaß für alle!

Alle Wasserattraktionen haben ein und denselben Zweck: nämlich sie sollen die Mitfahrer nass machen und spielen zu diesem Zweck mit dem Element! Mittlerweile gibt es wirklich zahlreiche Variationen von Fahrgeschäften, die in irgendeiner Form etwas mit Wasser zu tun haben, in diesem Artikel soll es primär um die Wildwasserbahnen gehen.

Geschichte:
Das Vorbild der modernen und gängigen Wildwasserbahn des Typs “Log Flume” waren kanadische Holzfäller, die eine Holzriese nutzten, um ihre gefällten Baumstämme aus den Bergen ins Tal zu transportieren. Die massiven Stämme schwammen in einer extra gebauten Holzrinne und die Schwerkraft tat ihres dazu. Nach diesem Vorbild sind auch viele Wildwasserboote als ausgehöhlte Einbäume designt und das Sägemühlen-Thema ist beliebt.
Während es erste Wasserfahrten mit Darkride-Charakter bereits in den 20er-Jahren gab und Vorgänger der modernen Spillwater-Anlagen sogar noch früher, wurde der allererste Log Flume im Jahre 1963 durch die Firma Arrow Dynamics für ‘Sixflags over Texas’ konstruiert. Diese Kreation stammte aus den Zeichenfedern von Karl Bacon und Ed Morgan. Vier Jahre später fand diese Wildwasserbahn auch ihren Weg nach Europa und wurde als Neuheit im englischen Blackpool vorgestellt. In Deutschland sollte es noch rund 10 Jahre länger dauern, bis sich die Leute das erste Mal nass spritzen lassen konnten. Mit einer Eigenkreation, die 1974 im Phantasialand in Brühl eröffnet wurde, schrieben Schmidt und Löffelhardt Geschichte.
Bis ins Jahr 1884 gehen die Aufzeichnungen über sehr simple Shoot-the-Chutes-Anlagen zurück. J.P. Newburgs erste Anlage entstand im “Watchtower Park” in Rock Island Illinois und wurde sehr erfolgreich. Die flachen Boote fuhren über eine 150 Meter lange Holzrinne und landeten mit einem Splash nach einer Art kleinem Sprung im Wasser des Rock River. Das Ganze wurde von einem Bootsmann, der auch für den Rückweg zuständig war, begleitet und gesteuert. Anschließend wurde das Gefährt von einem Kabel die Rampe wieder hochgezogen. Erinnert eigentlich so ein bisschen an moderne Sprungschanzen von Heege. Aufgrund der großen Beliebtheit konnten weitere Anlagen gefertigt werden, u. a. auch im “Sealion Park” auf Coney Island unter der Schirmherrschaft von Paul Boyton. Die älteste noch in Betrieb befindliche Anlage ist die “Boat Chute” im “Winnepesaukah Amusement Park” in Rossville Georgia, die um 1927 erbaut wurde. Eine der ersten modernen Anlagen war “Diamond Falls” in “Kings Dominion” 1985 von Intamin. Auch interessant ist der immer noch in Betrieb befindliche “Pittsburgh Plunge” im “Kennywoodpark” – hierbei handelt es sich nämlich um eine überarbeitete und restaurierte Version einer Ur-Anlage, die 1995 in der jetzigen Form durch den des Herstellers O.D. Hopkins fertiggestellt wurde. Der 3. große Meilenstein war im Jahre 1980 mit der Erfindung des River Rapids gelegt. Die Firma Intamin schickte als erste runde Boote durch einen wilden, tobenden Fluss mit hohen Wellen und Stromschnellen. Inspiriert von der Natur, wo die Gewalten für die Extremsportart Wildwasser Rafting genutzt werden, sollte sich auch diese Variante zum Kassenschlager entwickeln. 1984 war mit “Pirana” im “De Efteling” die erste River Rapids Anlage in Europa angekommen. Mittlerweile kann man sagen, dass nahezu jeder Park mindestens eine Wildwasserbahn im Repertoire hat. Die Firma Arrow Dynamics gilt immer noch als Pionier und die Firma Mack aus Waldkirch hatte zunächst unter der Lizenz von Arrow in Europa Log Flumes gebaut, aber nach einer Weile ihre eigene Linie gefahren und das bis heute sehr erfolgreich. Mit aufkeimendem Erfolg haben eine Vielzahl anderer Hersteller den Klassiker mittlerweile in den Produktkatalog aufgenommen. Die französische Firma Reverchon hat sich mit ihrem kompakten “Wildriver II” hauptsächlich für den transportablen Markt hervorgetan. Auch Anlagen von Soquet und div. italienischen Herstellern wie Zamperla sind häufiger anzutreffen – die der Firmen Hopkins, (Menhir Express – Park Asterix), Bear Rides (Stormforce 10 – Drayton Manor), Intamin (Autosplash – Mirabilandia) und abc Rides (Zum Rittersturz – Wild- und Freizeitpark Klotten) sind dagegen Exoten.

Der sogenannten Spillwater oder auch Shoot-the-Chutes, konnten sich in Europa bisher nicht so flächendeckend durchsetzen – zumindest in den Regionen mit kaltem und gemittelten Klima nicht, was wohl am Nässefaktor liegt, der durchweg höher ist als bei gängigen Log Flumes.
Die führenden Hersteller in diesem Bereich sind die Firma Hopkins und die Firma Intamin.

Die Rapid Ride, Rapid River oder River Rafting genannte Attraktion hat sich ebenfalls flächendeckend durchsetzen können, da man hier mit dem Nässegrad sehr flexibel ist. Eine Vielzahl der Anlagen stammt von Intamin aber auch Hafema gilt mittlerweile als Experte. Soquet und Interlink haben den Stromschnellenfluss ebenfalls im Angebot. Eher selten sind die sehr nassen Versionen von Hopkins Rides. Versionen von Fabbri, Reverchon und abc Rides, sind eine Mischung zwischen Rapid River und Spinning Raft Rides, wobei sie der Letzteren ähnlicher sind, die als Abwandlung angesehen werden kann.

Technik:
Auch wenn alle Fahrgeschäfte irgendwie ja Wunderwerke der Technik und faszinierend sind, sind Wasserfahrten eigentlich sehr simple gehalten.
Grundsätzlich haben alle drei Typen als Grundlage mal einen Kanal, in dem das Wasser als Rundkurs fließt. Möglich gemacht wird dies durch Pumpen, Höhenunterschied und die Fliehkraft. Bei Log Flumes wird eine schmale Rinne aus Metall, Beton oder Kunststoff kreiert, die gerade so breit ist, dass das Boot reinpasst und immer trotz freiem Schwimmen Kontakt zur Bande herstellt. Beim Spillwater schwimmt das Boot meist über einen See, allerdings auch hier geführt. Der Wasserkanal für River Rapids ist meist aus Beton, da er in die Landschaft integriert wird und ist gerade bei älteren Anlagen partial sehr breit, sodass sich die Boote auch überholen können. Nach mehreren Zwischenfällen mit gekenterten Booten ist diese Möglichkeit bei neuen Anlagen nicht mehr gegeben.
Beim Log Flume werden die Boote gemächlich mittels eines Förderbandes nach oben transportiert, um dann rollend auf unter dem Boot angebrachten Rädern einen Berg hinab zu donnern. Im Auffangbecken werden sie durch den Wasserwiderstand gebremst. Hier entsteht dann der Splash. Je nachdem wie Auslauf und Boot konstruiert sind, werden die Besucher mehr oder weniger nass. Geht es z. B. direkt ins Wasser, ist der Splash größer und die Bremswirkung auch. Ist der schienengeführte Auslauf länger, wird weniger Wasser aufgewirbelt, da sie erst mal praktisch übers Wasser gleiten und so an Geschwindigkeit verlieren. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Anlage im belgischen Bobbejaanland. Auch die Form des Bootes hat einen Einfluss darauf. Wenn es das Wasser zu den Seiten verdrängt, indem der Bug leicht gegen Himmel ragt, kommt weniger Wasser ins Boot, als wenn der Bug eintaucht. Hinzu kommt natürlich auch noch Höhe und Neigungswinkel der Abfahrt. In die Abfahrten selber hat man kleine Stufen eingearbeitet. Diese dienen der optischen Untermalung – wenn das Wasser hinab fließt, bilden sich Mini-Wasserfälle, die visuell den Anschein von Wildwasser erzeugen. Einen technischen Hintergrund hat das nicht, man kann das Wasser auch einfach als unsichtbaren Film hinabfließen lassen. Dasselbe gilt auch für Shoot-the-Chutes-Anlagen. Hier spielt beim Nässefaktor die obligatorische Brücke noch zusätzlich eine große Rolle. Denn wenn die Welle, die entsteht, daran bricht und das Boot darunter hindurch fährt, werden die Besucher hauptsächlich von dem Wasser durchtränkt, was von der Brücke abprallt.
Die River Rapids – Anlagen kommen meist ohne Drops aus. (Ausnahmen wie z.B. River Quest im Phantasialand gibt es natürlich auch.) Diese Anlagen setzen auf Stromschnellen, Wellen und externe Wasserspiele wie Fontänen, Kanonen, Wasserfälle und Speier. Die Interaktion mit den Mitfahrenden ist dabei nicht zu unterschätzen. Wellen werden durch Wellenmaschinen erzeugt und die Stromschnellen durch in die Strecke eingelassene Hürden, die halben Baumstämmen ähneln.
Im Log Flume sitzt man üblicherweise hintereinander und er kommt ohne Rückhaltevorrichtungen aus – gut festhalten ist angesagt. Im Spillwater sitzt man in mehreren Reihen mit bis zu 4 Personen in einer Reihe und hat einen Lapbar auf dem Schoß. In den Booten des River Rapids sitzt man nach innen gerichtet im Kreis mit 6, 9 oder 12 Personen. Es soll auch mal ein Boot mit nach außen gerichteten Sitzen gegeben haben, dies hat sich aber nicht im Ansatz durchgesetzt, weil wohl das Gemeinschaftserlebnis der Non-Plus-Ultra ist. Obwohl das Konzept von Intamin, das bei “Raptor Rapids” in Wildwood Mitte der 80er zu erleben war, auf Bildern sehr spannend wirkt.
Bei den runden Booten gibt es ebenfalls keine Bügel, da es auch gefährlich wäre. Wenn ein Boot wirklich im Worst Case kentern und sinken würde – gäbe es kein Entkommen. Dennoch gibt es in den USA vereinzelt Anlagen, wo ein Autogurt zum Einsatz kommt, um das Aufstehen der Besucher zu verhindern, da ein Sturz vorprogrammiert ist, wenn die Leute versuchen, auf diese Art und Weise dem Wasser auszuweichen und harte Bekanntschaft mit der Bande machen. Da muss immer abgewogen werden, welcher Risikofaktor höher bewertet wird. Bei den meisten Booten ist der runde Gummikörper, auf dem sie schwimmen, eine Art Ring und starr. Die Versionen von Vekoma und Hafema hingegen haben mehrere Einzelsegmente, sodass das Boot besonders flexibel ist und auch Wasser durch ein Loch in der Mitte spritzen kann.
Bei Ein- und Ausstieg gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es gibt gerade Stationen, wo die Boote auf Bändern durchgezogen werden und die Leute in die fahrenden Boote einsteigen müssen, es gibt begehbare Bänder für den Einstieg und Rundladestationen, wo die Boote anlegen und entlanggeführt werden. Diese Drehscheiben müssen betreten werden, um in das Boot zu gelangen. Bei River Rapids sind diese besonders häufig anzutreffen.
Zuständig dafür, dass überhaupt Wasser fließt, sind elektrische Hochleistungspumpen, die Tausende von Litern Wasser umwälzen und zum höchsten Punkt befördern, um es dann auf seine Reise talwärts zu senden. Diese Pumpen sind individuell konstruiert, je nach Bedarf. Unterhalb der Strecke wird meist ein künstlicher See oder zumindest ein Becken angelegt, worin das Wasser wieder aufgefangen und gesammelt wird. Es gibt durchaus Parks – gerade in südlichen Breitengraden – wo es üblich ist, das Wasser zu chloren, um es sauber zu halten. Auch ein gewisser ästhetischer Anspruch kann dadurch aufrecht erhalten werden, denn das Wasser wird nicht trüb und Algenbildung wird verhindert. Für eine permanente Chlorung muss natürlich entsprechende Technik vorhanden sein und sie ist mit Kosten verbunden.
Besonderheiten und Thematisierung:
Special Effects und Gimmicks machen die ein oder andere Anlage wirklich zu etwas ganz Besonderem.
Drehscheiben – sogenannte Invertoren -, kommen zum Einsatz, um die Boote rückwärts los zu schicken inkl. Drop. Aber auch als Platzsparer können sie eingesetzt werden, wenn die Bahn auf engem Raum gebaut wird und eine Kurve den Rahmen sprengen würde. (z. B. im Taunus Wunderland oder beim großen Drop im Toverland). Auch zu Erwähnen wäre der Double-Down, wo es nicht gerade abwärts geht, sondern eine Stufe oder ein kleiner Versatz in der Abfahrt ist. Der Strudel ist ein Markenzeichen der Firma Hafema. Dabei fahren die Boote in einer enger werdenden Kurve in eine gebogene kleine Abfahrt darunterliegend weiter.
Auch die Thematisierung oder die Wasserspiele können herausstechen. Während manche Anlagen komplett kahl und etwas verloren in der Gegend rumstehen, sind andere bis ins letzte Detail auf eine Story abgestimmt und in die Landschaft integriert. Popeye & Bluto’s Bilge-Rat Barges® ein Rapid River der Firma Barr Engineering im Islands of Adventure in Orlando ist ein perfektes Beispiel für beides, grandiose Wasserspiele und Thematisierung.
Für weiteren Waterfun sorgen Bootsrutschen, Spinning Raft Rides, Splash Battles, Watercoaster, Tow Boat Rides und Wasserski-Rondelle – aber all dem widmen wir einmal einen gesonderten Artikel.

Text und Fotos: Tatjana Gemüth und Markus Cremer (Veröffentlicht: Komet Ausgabe 20.02.2021)

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