Atlantis – Herzogenaurach

atlantis herzogenaurach

Es lebe das Chaos…..

Ursprünglich war ein Besuch im Kristall Palm Beach in Stein geplant, mit seiner Vielzahl an Rutschen. Da der Wasserpark allerdings auf ein Onlineticketsystem unverständlicherweise verzichtet, war es bereits im Vorfeld ein Glücksspiel, was wir verloren haben. Denn es kam, wie es kommen musste – eine mehrere Hundert Meter lange Schlange vor der Tür. Vermutlich hätte es Stunden gedauert, bis wir dran gewesen wären, um ein komplett überfülltes Bad zu betreten. Nein, das war nicht sinnvoll, aber man ist ja flexibel und so wurde kurzfristig umgeplant – also sollte es das „Atlantis” in Herzogenaurach sein. Laut Website erschien es anhand der Rutschen recht vielversprechend und war auch laut Ampelsystem auf der Startseite nicht ausgelastet. Auch hier hat man auf Onlinetickets verzichtet. Vorab sei kurz erklärt, dass wir in Wasserparks und dem Bäderbetrieb schon mal öfters Chaos erlebt haben, aber dieser Nachmittag sollte zu einem traurigen Höhepunkt werden. Doch von Anfang an: Wir kamen rund eine Stunde nachdem wir in Stein losgefahren waren, endlich in Herzogenaurach an. Schlange war hier vor der Türe keine also auf gehts, dachten wir.

Im Kassenbereich waren zwei Personen vor uns und die Dame, die die Kasse bediente, war überfordert mit der Abwicklung – ähnlich wie die Ordnung im Kassenbereich. Der Preis liegt mit 15 € im Mittelfeld. Eine gefühlte Ewigkeit später konnten wir das Drehkreuz passieren und uns umziehen. Die Jetons, die man erhält, kann man auch für das Schließfach nutzen und um bargeldlos im Restaurant einzukaufen. Nach dem Umziehen betreten wir endlich das 1989 eröffnete Bad. Leider folgt sofort die nächste Enttäuschung – die Halle ist komplett überfüllt, an Schwimmen ist hier außer im Sportbecken gar nicht zu denken, man kann froh sein, wenn man ein kleines Eckchen irgendwo im Wasser findet. Von Abstand halten bezüglich Corona wollen wir hier mal gar nicht anfangen. Aber der Weg ins Wasser ist zunächst wirklich kein Vergnügen, denn sowohl die Halle als auch das Wasser ist wirklich kalt – man friert. Besonders für Kinder eine Tortur.

Es gibt ein Wellenbecken mit Wellenbetrieb, alle 30 Minuten, ein Sportbecken, einen kleinen Whirlpool, ein Kleinkinderbecken, ein Cascadenbecken mit Sprudelliegen und gegen Gebühr eine Sauna mit Spa. Das Außenbecken steht aktuell nicht zur Verfügung, da es umgebaut wird. Diese Baustelle war schon auf dem Parkplatz spürbar – man hat großzügig Parkplätze – die eigentlich gebraucht würden – mit Baumaterial zugestellt. Im Betrieb herrscht absolutes Chaos – jeder macht, was er will – es ist, als ob die Angestellten resigniert hätten und ihre Zeit nur absitzen. Wenn sie wirklich mal, wenn sie mit zweien am Wellenbecken waren, jemanden ermahnt haben, hat man schnell wieder gemerkt, wie respektlos die Besucher teilweise sind. Das ist in unseren Augen der größte Minuspunkt auch im Hinblick auf unsere Objekte der Begierde – die Wasserrutschen.

Everything’s Aquarena

Eines der Highlights ist der 2011 gebaute große Wasserspielplatz von Aquarena. Er bietet wirklich viel Abwechslung mit Kletterelementen, Wasserspeiern, einem Wassereimer, Kanonen und zwei Wasserrutschen. Der Bereich ist eigentlich limitiert auf Kinder zwischen 6 und 14 Jahren, aber wen kümmert’s schon? Ob diese Begrenzung Sinn macht mal dahin gestellt – für die beiden Rutschen mit Sicherheit schon. Es gibt eine Röhrenrutsche in Grün. Zu erreichen über einen sehr schmalen Treppenturm. Hier kann man Platzangst kriegen. So auch in der Rutsche selber, die sehr eng ist vom Durchmesser. Wenn überhaupt, muss man hier auf dem Rücken liegend runter. Sie beschreibt einen weiten Bogen und landet in einem Flachauslauf. Die Zweite ist lila und offen im oberen Bereich. Die Kurven und die Helix sind sehr eng, sodass das Rutschen für Erwachsene kein Vergnügen ist, man schlägt überall schmerzhaft an. Die Rutsche spuckt einen dann am Ende förmlich ins Becken, wo das Wasser 1,10 Meter tief ist – zu niedrig für die Kombination aus Geschwindigkeit und Körpergröße. Nicht ohne Grund hat der Hersteller hier sogar 10 Jahre als Obergrenze festgelegt.

Doch kommen wir nun zu den großen Wasserrutschen – es sind vier an der Zahl und alles aus dem Hause Aquarena! Sie versprechen Spaß und Abwechslung für jedermann. Das Vergnügen ist allerdings etwas geschmälert, denn im Rutschenturm zieht es wie Hechtsuppe und durch das Chaos können auch durchaus brenzlige Situationen entstehen.

Starten wir mit der Anfängervariante. Es ist eine offene rote Halbschalenrutsche – der „rote Riese”. Sie ist als leicht eingestuft und mündet per Plumpsauslauf im 1,15 Meter tiefen Wassers inmitten des Wasserspielplatzes. Sie startet in fünf Metern Höhe auf einem Hochplateau wo sich auch das SB-Restaurants befindet und führt dann quer durch die ganze Halle. Am Start ein Durcheinander ohne gleichen – vorwärts, rückwärts, mit runtergezogener Hose, ohne Abstand und in jeder erdenklichen nicht erlaubten Rutschposition. Eine Ampelanlage gibt es nicht, aber den Hinweis erst loszurutschen wenn der Vorgänger die 20 Meter Marke passiert hat, dieser wird aber ignoriert. Es ist die älteste Wasserrutsche vor Ort, die bereits im Eröffnungsjahr dort war. Laut Beschilderung ist das Baujahr 1988. Sie ist pünktlich fertiggestellt worden, das Bad selber aber erst mit einem knappen Jahr Verspätung. Sie bietet eine Kombi aus mehreren Kurven und als Finale ein Jump ins Becken. Für ihr Alter rutscht sie sich absolut prima und smooth.

Ein „Crazy River”, der im Jahre 2000 gebaut wurde, startet in acht Metern Höhe im Rutschenturm. Erlaubte und auch sinnvolle Rutschpositionen sind der 1-er-Reifen und der Doppelreifen, die auch beide vorhanden sind. Es wird aber auch immer wieder munter ohne auf die 127 Meter lange Strecke gestartet. Der breite Einstieg hält zwei Startplätze mit entgegengesetzt geschalteten Ampeln bereit für den abwechselnden Start – theoretisch, da sich niemand daran hält. Die Rutsche ist als Mittel vom Gefälle her eingestuft und man landet im 50 Zentimeter tiefen Flachauslauf. Los gehts mit einer langen Geraden, gefolgt von einer rasanten Slalompassage, einer Rechtshelix à la Röhrenrutsche mit Daylightspots und führt schließlich in ein rundes Zwischenbecken. Hier haben wir dann wieder das Chaos erlebt, während man normalerweise einmal im Kreis treiben sollte, bevor es weitergeht – war es bei unserem Besuch restlos mit Leuten verstopft, was den Fun dieser Passage natürlich ausgebremst hat. Wenn man es irgendwie ohne sich Blessuren zu zuziehen, aus dem Menschenknäuel heraus geschafft hat, bildet eine Gerade mit Linkskurve das Finale.

Eine Blackhole-Rutsche mittleren Schwierigkeitsgrad ist im Jahre 2003 dazu gekommen. Hier ist der Flachauslauf 20 cm tief. Sie startet ebenfalls vom Rutschenturm in gut zehn Metern Höhe. Die Röhre ist von außen gelb und sie ist mit einer Zeitmessung ausgestattet. Die Ampelanlage ist hier mit einem Sensor versehen, sodass sie wirklich erst auf Grün springt, wenn der Vorgänger raus ist. Viele schwungvolle Richtungswechsel, Lauflicht, Lichtringe, Daylightmotive, LED-Spots, ein Whitehole-Abschnitt, ein Projektor, und Stroboskoplicht machen die Rutsche zum Vergnügen.

Last but not least ist im Jahre 2016 der Rutschenturm mit der „Turbo Rocket” einem Highspeedabenteuer erweitert worden. Wenn Sie sich trauen, dann öffnen Sie die Tür, treten ein in die Kapsel und nehmen die Rutschposition – Beine eng zusammen, Kopf gerade nach hinten und Arme vor der Brust verschränken – ein. Sind Sie bereit? Dann drücken Sie den Startknopf. Kurz darauf klappt der Boden einfach weg und man fällt senkrecht aus 12,60 Metern Höhe eine gefühlte Ewigkeit in die Tiefe, bevor eine seichte weite Linkskurve einen auffängt. Hier gibt es Daylightringe und Effekte, was eher ungewöhnlich für eine Speedrutsche ist. Nach gut 75 Metern Länge landet man im Flachauslauf, der noch einmal mit einem Drehkreuz bestückt ist. Schwierigkeitsgrad: schwarz, also schwer, nichts für Anfänger oder Kiddies, obwohl hier bereits ab 10 Jahren gerutscht werden darf. Etwas schade ist der fade Start ohne Countdown oder Beschallung.

Fazit: Wenn man grundlegend am Konzept etwas ändern würde und das Personal beginnen würde, rigoros durchzugreifen, um Verstöße zu ahnden und man die anderen kleineren Mängel abstellen würde, könnte es ein Paradies für Rutschenliebhaber sein und werden. Es braucht nicht viel dazu!

Text: Redaktion

Fotos: Redaktion und privat

 

INFOS:

Name: Atlantis;  Typ: Freizeitbad, Fläche: ??? m2, Rutschen: 4 (plus mehrere  Kinderrutschen) , Baujahr: 1989, Preis: 15 €

Besonderheiten: keine

 

 

Erschienen im KOMET am 20.11.2021!

FOTOS:

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